LEITWORTE DER DEUTSCHEN EVANGELISCHEN KIRCHENTAGE

 

1949: Erster Deutscher Evangelischer Kirchentag in Hannover – „Kirche in Bewegung“

1950: Essen – „Rettet den Menschen“

1951: Berlin – „Wir sind doch Brüder“

1952: Stuttgart – „Wählt das Leben“

1953: Hamburg – „Werft euer Vertrauen nicht weg“

1954: Leipzig – „Seid fröhlich in Hoffnung“

1956: Frankfurt am Main – „Lasset euch versöhnen mit Gott“

1957: 17 Landeskirchentage und Herbsttreffen in Berlin – „Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott“

1959: München – „Ihr sollt mein Volk sein“

1961: Berlin – „Ich bin bei euch“

1962 - 1989: Nach dem Bau der Mauer finden in der DDR regionale evangelische Kirchentage statt

1963: Dortmund – „Mit Konflikten leben“

1965: Köln – „In der Freiheit bestehen“

1967: Hannover – „Der Frieden ist unter uns“

1969: Stuttgart – „Hungern nach Gerechtigkeit“

1971: Ökumenisches Pfingsttreffen Augsburg – „Nehmet einander an, wie Christus euch angenommen hat“

1973: Düsseldorf – „Nicht vom Brot allein“

1975: Frankfurt am Main – „In Ängsten - und siehe wir leben“

1977: Berlin – „Einer trage des anderen Last“

1979: Nürnberg – „Zur Hoffnung berufen“

1981: Hamburg – „Fürchte dich nicht“

1983: Hannover – „Umkehr zum Leben“

1985: Düsseldorf – „Die Erde ist des Herrn“

1987: Frankfurt am Main – „Seht, welch ein Mensch“

1989: Berlin (West) – „Unsere Zeit in Gottes Händen“

1991: Ruhrgebiet (erster Kirchentag nach der Wiedervereinigung) – „Gottes Geist befreit zum Leben“

1993: München – „Nehmet einander an“

1995: Hamburg – „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist“

1997: Leipzig – „Auf dem Weg der Gerechtigkeit ist Leben“

1999: Stuttgart – „Ihr seid das Salz der Erde“

2001: Frankfurt am Main – „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“

2003: Erster Ökumenischer Kirchentag in Berlin – „Ihr sollt ein Segen sein“

2005: 30. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Hannover – „Wenn dein Kind dich morgen fragt...“

2007: 31. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Köln – „Lebendig und kräftig und schärfer“

2009: 32. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Bremen - „Mensch, wo bist du?“

2010: Zweiter Ökumenischer Kirchentag in München - "Damit Ihr Hoffnung habt"

2011: 33. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Dresden - "… da wird auch dein Herz sein"

2013: 34. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Hamburg - " Soviel du brauchst"

2015: 35. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Stuttgart - " damit wir klug werden"

2017: 36. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Berlin/Wittenberg - "Du siehst mich"

 

"Jesus war ein toller Typ, denn er hatte alle lieb, aus Wasser machte er ja Wein, wer möchte nicht sein Kumpel sein? Aus einem Brot macht er gleich zwei, da ist für jeden eins dabei.".......so klang es uns am dritten Tag abends in einer der vielen Berliner U-bahnen aus dem Munde eines leicht angeheiterten Mannes entgegen, der offensichtlich mit den vielen orangefarbenen Schals nicht so recht etwas anfangen konnte. Und überhaupt: sprach aus ihm nicht ein Teil der Seele deutscher Geschichte? Sehr treffend war dieser Eindruck in einer Berliner Zeitung formuliert: "Wie kommt Gott in die Stadt der Heiden?" Ja, 40 Jahre DDR, die sind nun mal da, ob man es gern hat, oder nicht! Und weiter ist sicher der in dieser Zeitung formulierte Eindruck richtig, dass die meisten Berliner mit den Kirchentagsbesuchern wenig anfangen konnten. Irgendwie waren sie für sie wie Bewohner eines anderen Sterns. Es fehlte halt die Übung, ja, der Umgang mit gewachsener christlicher Kultur. Und doch: im Lied des angetrunkenen Mannes war nicht etwa Agression zu spüren. Nein, es war eher Neugier, so nach dem Motto: "Warum machen die das? Was haben die davon?" Tja, und dann war da noch das Abschiedsessen mit unserer Gastgeberin und ihrem Lebenspartner. Da erschien er dann, der "Störende", Hausmeister seines Zeichens, tätowiert an allen sichtbaren Stellen, mit Nasen- und Ohrenringen- ganz das, was Vorurteile bestätigt. "Am Schal erkannt", mischte er sich in unsere friedlich christliche Diskussion. Und er erzählte ungefragt, was er so alles getan hatte: Mahnwachen zur Zeit der Mauer, Kirchenasyl zur Zeit des Mauerfalls... alles sehr einfach formuliert, gar nicht intellektuell. Ja, da waren wir - trotz der unangenehmen Berührtheit, die wir verspürten - beschämt. Was hatten wir dagegen aufzuweisen? An diesem Beispiel wurde uns wieder einmal deutlich, dass Christentum doch gerade auch von dieser Basis lebt. "Ein Leib, viele Glieder": das sollte einem täglich bewusst sein. Summa summarum: noch nie haben wir bei so vielen Menschen unterschiedlicher Hautfarben und Kulturen so viel Freude und Toleranz selbst in Stresssituationen erlebt. Und so Gott will und wir leben: wir werden den nächsten Kirchentag gerne wieder mitmachen.( Artikel im Gemeindebrief "Brückenbauen" 09/10-2003 von Sigrid und Ralf-Peter Becker)

Kirchentage sind jung....und bunt....und lebendig....und anstrengend. Und  sicher kann man noch viel mehr zu Kirchentagen in ihrer geradezu „erschlagenden Vielfalt“ sagen. Für den Kirchentag in Hannover galt insbesondere das „Jungsein“. Weit über fünfzig Prozent der Besucher/innen waren unter 30. Da fühlt man sich auch als älterer Mensch jung, zumindest junggeblieben. Die Lebendigkeit der Jugend steckt an. Ihre Suche nach Sinn macht nachdenklich ,fordert Antworten, gibt Hoffnung in einer Zeit, wo von „Sinnentleerung und Werteverfall“ die Rede ist. Ja mehr noch.... plötzlich merkt man, dass man in diesen Tagen nicht mehr in der Minderheit ist als Kirchenmitglied: und das ist ein schönes Gefühl! Hier wird nicht vor leeren Kanzeln nur für alte Menschen gepredigt. Und spätestens an dieser Stelle sollte man sich die Frage stellen, warum es  bei Kirchentagen, Weltjugendtagen und anderen öffentlichen kirchlichen Veranstaltungen fröhlich und voll ist , hingegen in unseren sonntäglichen Gottesdiensten oft eher traurig und leer. Da muss doch was falsch sein, wenn wir Erwachsenen einer suchenden Jugend „die frohe Botschaft“ wohl nicht so froh vermitteln können, dass unsere Kirchen wieder voll werden. Die Jugend ist die Zukunft der Kirche, und da muss sich sicher Entscheidendes ändern, um das gute alte „Schiff Kirche“ auch im Alltag wieder flotter zu bekommen. Wir müssen nach Wegen suchen und sie auch finden, um die Jugend viel mehr in kirchliche Tätigkeiten einzubinden. Kirchentage zeigen Wege auf, um das „Kirchenschiff“ in die richtige Richtung zu steuern. Kirchentage machen Mut bei der Suche nach Antworten für die dringendsten Probleme unseres Lebens.  Und so haben wir es wahr gemacht: in Hannover waren wir wieder dabei. Diesmal war es zwar nicht ökumenisch wie in Berlin, doch es war viel Ökumene dabei; ja, insbesondere der interreligiöse Dialog wurde stark betont: so gab es eine Menge von Veranstaltungen zum Thema „Beziehungen zwischen den Religionen“, insbesondere Judentum, Christentum und Islam. Und gerade hier gilt es doch, die wirkliche religiöse Situation unserer Gesellschaft anzunehmen und durch Toleranz und Akzeptanz wirklichen Frieden im Zusammenleben zu ermöglichen. Das sicher Verkehrteste, was wir brauchen, ist falsch verstandener Missionseifer, der zu Ausgrenzung und Abspaltung führt. Wir müssen – bei aller realen Unterschiedlichkeit – im Dialog bleiben, Gemeinsamkeiten suchen, mehr zusammen unternehmen, ja, einfach zusammen leben, wirklich leben. Und das kann weder von jüdischen, noch christlichen, noch muslimischen Institutionen verordnet werden, das muss von jedem von uns gelebt werden: wir müssen die kleinen Schritte aufeinander zu machen. Wenn dieses Gefühl des Aufbruchs ein Signal dieses Kirchentages ist, das von vielen Menschen, insbesondere den jungen, in praktisches Leben umgesetzt wird, dann ist in Hannover viel erreicht worden. ( Artikel im Gemeindebrief "Brückenbauen" 07/08-2005 von Ralf-Peter Becker)

 

 

                
                
                                    
               
   

Evangelischer Kirchentag 2007 im „Heiligen Köln“! Na und? Ging doch ganz prima! Und von wegen: „Köln ist nur  katholisch“. Das war – wie auch schon beim Weltjugendtag 2005 – gelebte Ökumene und darüber hinaus Menschlichkeit pur. Da sitzt dann z.B. eine Muslimin mit einem orangefarbenen Kirchentagsschal in der S-Bahn....wenn das kein Zeichen sein kann?!. Oft ist gelebte Toleranz an der Basis doch viel weiter als die Denkprozesse bei Leitungsgremien. „Heilig“ also schon: aber bitte dann für alle! Und alle, das hieß auch diesmal: ein buntes Getümmel aller Konfessionen, Religionen und Nationalitäten. So voll wie in Köln kam es mir auf Kirchentagen noch nie vor: aber wahrscheinlich lag es daran, dass sich viele Treffen im Stadtkern von Köln abspielten, und da ist es recht eng. Es war schon gut, dass man den Überblick dank „Public Viewing“, das ja seit der Fußball WM 2006 Standard ist, behalten konnte. Mit drei Beispielen – von denen es sicher tausende gibt – möchte ich den Versuch wagen, das Motto des Kirchentages, das sich auf Gottes Wort bezieht, auf unsere menschlichen Taten anzuwenden. LEBENDIG: wo kann man schon einen Gottesdienst (beim Kölsch) in einer Kneipe verbringen, und da wird gesungen und gebetet, und beim „Vater Unser“ erheben sich alle; ja, sogar die taiwanesische Bedienung hält beim Kassieren inne und faltet die Hände. Ehrlich erlebt in Köln! Einfach lebendig! KRÄFTIG: es war schon beeindruckend, wie aus einer Idee eine Initiative werden kann. Gemeint ist hier die Idee des „Gütesiegels für Arbeitsplätze“ unseres Gemeindemitglieds und ehemaligen Kirchentagspräsidenten (1997) Dr. Rainer Meusel, aus der sich die beeindruckende Initiative „ARBEIT PLUS - Eine Initiative der Evangelischen Kirche in Deutschland“ gebildet hat. (http://www.arbeit-plus.de/) Rainer Meusel hatte in Leipzig gesagt: "Warum ist es eine Erfolgsnachricht, wenn ein Unternehmen drei Milliarden Gewinn und im selben Atemzug den Abbau weiterer 6000 Arbeitsplätze ankündigt? Wer neue Arbeitsplätze schafft, sollte ein Gütesiegel erhalten."  Einfach kräftig! SCHÄRFER: es war wohltuend mitzuerleben, wie im Streit um Sachprobleme nicht – wie früher häufig erlebt – Menschen niedergeschrieen wurden, sondern im Dialog in Achtung und Toleranz -klar aber scharf - um „die Wahrheit?!“ gerungen wurde; zum Beispiel bei der Frage der Ordination von Prädikanten in den verschiedenen Landeskirchen. Einfach schärfer! Erleben kann man das alles nur auf Kirchentagen, auf denen – bei aller Unterschiedlichkeit –die Gemeinsamkeit im Glauben stärkt und trägt: auch für die nächsten 2 Jahre bis zum Kirchentag in Bremen. Und da lohnt es sich doch immer wieder, die Mühen und Unbequemlichkeiten auf sich zu nehmen, die so ein Aufenthalt auf Kirchentagen mit sich bringt. ( Artikel für den Gemeindebrief "Brückenbauen" 09/10/11-2007  von Ralf-Peter Becker)

 

     
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
                       
                 
                 
                 
                            40 Kirchenlieder zum Mitsingen          
           
   

Mensch,wo bist du?“ (1.Mose 3,9), das war die Losung des Kirchentages 2009 in Bremen vom 20.05. – 24.05.09, zu lesen auch auf den grau-blauen Kirchentagsschals. Und die Antwort – oft auch „persifliert“ – stand natürlich ebenso darauf zu lesen: „Hier bin ich!“(Jesaja 6,8). Die theologische Dimension weist sicher auf die handelnde Verantwortlichkeit von Christenmenschen in unserer Welt hin, die zu Taten aufruft: „Hier bin ich….und was kann ich tun?“ Die Gefahr allerdings, hierbei einem saurem Moralismus zu unterliegen, kann nicht von der Hand gewiesen werden. Und somit wies der italienische Waldenser-Bischof Daniele Garonne unter Applaus in seiner Abschlusspredigt darauf hin, dass HOFFNUNG AUF GOTT ALLEIN das Wort sei, das an erster Stelle der Verkündigung stehen muß! Und genau diese Botschaft ist ja auch in der diesjährigen Jahreslosung impliziert: „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“ (Lk 18, 27)  Sieht man von der theologischen Dimension der Losung ab, so hatten beide Sätze für mich durchaus sehr pragmatischen Charakter: man möge die Trivialität verzeihen! War ich in Überseestadt, dann befand sich ein gesuchter Freund in den Messehallen. War ich in den Messehallen, so bewegte sich besagter Mensch im Umfeld der Innenstadt. Und per Handy oder Funkgerät erfuhr ich dann auf meine Frage „Wo bist Du?“ meine nächste Zielrichtung. Sicher, Bremen ist klein, aber für meine alten Knochen waren viele Wege lang. Es war ein bunter und sehr fröhlicher Kirchentag mit typischer norddeutscher Eigenheit: den Schiffen. Sie tauchten als gefaltete Papierschiffchen (wer kann’s noch?), als wandelnde „Schiffsmenschen“ und natürlich als richtige „große Pötte“ auf. Unzählige Veranstaltungen auf einer kaum zu übersehenden Zahl von Schiffen waren kennzeichnend für diesen Kirchentag. Gerne denke ich an eine Bibelarbeit auf der „Hanseat“ während einer viereinhalbstündigen Fahrt von Oldenburg(meinem Wohnort) nach Bremen mit ca. 300 Teilnehmern. Überhaupt: die Bibelarbeiten waren in diesem Jahr das, was mich besonders anzog: was u.a. der deutsche Astronaut Dr. Thomas Reiter (DF4TR) aus „Weltraumperspektive“ zu sagen hatte, war schon beeindruckend.  Neben den vielen „Professionellen“ (Politikern, Kirchenoberen und Künstlern) waren es aber auch dieses Jahr die vielen Laien und Ehrenamtlichen, ohne die ein Kirchentag nicht richtig leben kann: z.B. die große Zahl von jugendlichen Helfern, die – immer freundlich – den Weg wiesen und selbst kaum etwas vom Kirchentag mitbekamen, z.B. die Damen und Herren vom „Gute -  Nacht Cafe“ der katholischen Kirche St. Lamberti in Oldenburg, die Kirchentagsteilnehmer bis 24 Uhr für 1 Euro mit „Festem und Flüssigem“ versorgten, z.B. die Amateurfunker der Sonderstation der Kirchentages (DK32DEKT), die in Sonderschichten den Kirchentag weltweit bekannt machten und z.B. das Gesangsteam „Velocanto“ des Kirchenmusikdirektors Manuel Gera (Sankt Michaelis Kirche in Hamburg, genannt „Michel“), das auf einem extra dafür „erfundenen“ Michaelisweg fast 500 Kilometer radelte und in Konzerten in Michaeliskirchen fast 10 000 Euro für „Brot für die Welt“ sammelte…..Alles in allem: es war wieder ein „runder“ Kirchentag mit vielen Eindrücken, der bei aller vordergründig fröhlichen und bunten Vielfältigkeit auch durchaus Räume für Ruhe und Besinnlichkeit beinhaltete. ( Artikel für den Gemeindebrief "Brückenbauen" 09/10/11-2009  von Ralf-Peter Becker)

 

     
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
 
           
           
           
           
           
           
           
           
           
 
           
           
           
           
           
           
           
           
           
 
           
           
           
           
           
           
           
           
           
 
           
           
           
           
           
           
           
           
           
 
           
           
           
           
           
           
           
           
           
               
   

„Entschuldigen Sie, ist dies der Sonderzug….nach  München“, so hätten wir in leichter Abänderung eines bekannten Liedes von Udo Lindenberg singen können,  als wir uns am 12.05.2010 um 05.59 Uhr von Köln aus mit dem als „Gesellschaftszug“ angekündigten Bahngefährt älteren Semesters auf die neuneinhalb Stunden  dauernde Fahrt zum Kirchentag aufmachten. Die Fahrt verlief recht kurzweilig mit vielen Gesprächen, mit Lesen, mit Telefonieren ,mit Internetnutzung per webstick und mit Schlafen, und München erreichten wir dann sehr pünktlich, so dass wir erst einmal unsere Quartiere suchen und aufsuchen konnten. Leider wurde es nichts mit der Teilnahme an einem der Eröffnungsgottesdienste, da sich die Verkehrssituation gegen uns – aber auch viele Berufstätige -verschworen hatte: durch einen Feuerwehreinsatz bedingt verkehrte die U3 nicht mehr,…. die Weiterfahrt per Bus entwickelte sich zum Geduldsspiel, und die Gottesdienste waren bei unserer Ankunft vor Ort beendet. Vom „Abend der Begegnung“ konnten wir aber dann später doch noch den ein oder anderen Eindruck mitnehmen, z.B. die unvermeidlichen bayrischen „Folklorebrassbands“, die zur Freude der Kirchentagsteilnehmer über die Kaufingerstrasse zogen. Und daß wir das Ganze auch noch beim Weißbier im Freien auf Gartenstühlen geniessen konnten, strafte die äußerst schlechte Wetterprognose für diesen Tag  - Gott sei Dank – Lügen. Doch insgesamt gesehen war die Wettervorhersage leider richtig: es war viel zu kalt und regnerisch; und deshalb flüchteten die meisten Teilnehmer zu Veranstaltungen, die in den Gebäuden abgehalten wurden. Die Hallen in der Messe waren bei allen Veranstaltungen sehr gut besucht, und wenn die Kirchen in der Stadt bei „normalem Sonntagesbetrieb“ so gefüllt wären wie bei Kirchentagsveranstaltungen, könnte man durch Körperwärme Heizkosten sparen – auch ein Umweltbeitrag. Trotz des „Sauwetters“ waren immer noch so viele Menschen auf der Strasse, dass man sich am Marienplatz wie anno 2006 bei der WM vorkam, wenn da nicht die orange-weißen Fahnen und die Schals des Kirchentagsvolkes im Wind geflattert hätten. „Damit ihr Hoffnung habt“, so lautete das Motto des Kirchentages, das auf den Schals zu lesen war. Im Kleinen wurde das bei Margot Käßmann klar, die – wie keine andere Person – wie Phönix aus der Asche auferstanden war und auf ihren Veranstaltungen große Glaubwürdigkeit vermitteln konnte: das kam an. Doch im Großen musste man beim Handeln der Menschen in diesen Tagen in der Welt doch eher ein Fragezeichen hinter das Motto setzen: Umweltprobleme, wie die aus „Spargier“ der Firma BP entstandene Ölpest vor den Küsten der USA, Wirtschaftprobleme, wie die aus Raffgier entstandene Eurokrise in einem Europa, das über die Verhältnisse lebt……sie kreieren doch eher Zweifel im Hinblick auf eine ethisch saubere Handlungsweise des Menschen in der Schöpfung. In vielen Podiumsdiskussionen wurde ein Umsteuern hier angemahnt, z.B. von der Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags Frau Göring-Eckart und dem Umweltminister Herrn Röttgen. Insgesamt gesehen war der Kirchentag wirklich gelebte Ökumene im Großen wie im Kleinen. So gab es – trotz „mahnender Verbote“ aus Rom - ein gemeinsames Abendmahl unter der Leitung des 2003 suspendierten Priesters Hasenhüttl – allerdings „nur“ in der technischen Universität und gegen den ausdrücklichen Wunsch der Kirchentagsleitung. Nicht unerwähnt bleiben soll auch die orthodoxe Vesper auf dem Odeonsplatz, zu der am Freitag ca. 20.000 Menschen kamen, um gesegnetes Brot zu empfangen. Und auch die vielen Begegnungen von Christen der verschiedensten Gemeinden - auch unserer - führten zu intensiven Überlegungen im Blick auf eine Forcierung der Anstrengungen zur Ökumene auf einer Basis, bei der ein Nenner zur Gemeinsamkeit gefunden werden muß, ohne die eigene Identität aufzugeben. Hier ist die Basis – wie so oft – viel weiter, als sich die Kirchenleitungen das wünschen mögen. Und das kann nur ein gutes Omen für einen möglichen dritten ökumenischen Kirchentag im Jahre 2017 sein, dem 500-sten Jahrestag der Reformation, bei dem es eben dann nicht um ein „evangelisches Jubelfest“ (Präses Schneider) gehen soll, sondern erst recht vermehrt um ökumenische Annäherung. ( Artikel für den Gemeindebrief "Brückenbauen" 09/10/11-2010  von Ralf-Peter Becker)

     
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
                                     
             
             
             
             
                                                                                                 40 Kirchenlieder zum Mitsingen      
                                                                              
           
   

Diesmal war alles anders: wir fuhren mit der gesamten Familie, also 5 erwachsenen Personen, am 01.06.2011 mit dem Auto zum Kirchentag nach Dresden, und wir hatten eine Ferienwohnung, die ich schon direkt nach dem Kirchentag in München 2010 über das Internet gebucht hatte. Sicher, die Wohnung lag etwas außerhalb in Leuben, und die Fahrt mit dem ÖPNV dauerte so 40 Minuten, aber da war ich aus München, Bremen und Hannover „trainiert“. Das Wetter war mehr als super: kein Tropfen Regen, heiß bis weit über 30 Grad. Mit Familie reisen heißt natürlich für alle: Kompromisse schließen. Das taten wir dann auch, und so wurden neben Kirchentagsprogrammpunkten in den Zeitplan auch einige „kulturelle Highlights“ Dresdens gepackt: z.B. Frauenkirche, grünes Gewölbe und Raddampferfahrt. Zu den Eröffnungsgottesdiensten schafften wir es zeitlich nicht: die 630 km lange Fahrt dauerte dann doch über sieben Stunden aufgrund der unendlichen LKW Schlangen.   Und so wurde der „Abend der Begegnung“ wurde für uns zum Beginn des Kirchentages, den wir mit unserem Pfarrer Düchting feierten: wunderschön und richtig stimmungsvoll bei sternklarem Himmel war es dort an der Elbe unterhalb der Brühlschen Terrassen, als tausende Lichter die Elbe hinunter schwammen, umrahmt von den ungezählten Kerzen der Kirchentagsbesucher. Da sich in der historischen Altstadt am Altmarkt auch die große MDR-Bühne befand, „spielte dort die Musik“ im wahrsten Sinne der Wortes sehr häufig. Und da war dann für jeden Geschmack etwas dabei, von Kirchenmusik in Richtung Pop, über Oberelbtöne bis zur Begleitmusik für einen Bikergottesdienst, die dann schon „heavier“ war.  Der Andrang in die Frauenkirche war so enorm, dass sich dort zu jeder Tageszeit lange Schlangen bildeten: doch auch wir schafften es schließlich, uns nach einer Veranstaltung mit Frau Nahles und Herrn Gauck, bei der es thematisch um das Thema „Wir sind der Staat“ ging, die wunderschöne Kirchen ausgiebig anzusehen, da man freundlicherweise alle Emporen für das Publikum freigegeben hatte. Politisch war der 33. ste evangelische Kirchentag generell, und so spielte natürlich der Ausstieg aus der Kernenergie eine unüberhörbare und unübersehbare Rolle: viele Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen und Plakate verliehen dem dringenden Wunsch des Volkes nach einer Energiewende Ausdruck. Daß Frieden und Gerechtigkeit mit dem Wunsch einer nicht pekuniären Definition von „Reichtum“ thematisch im Vordergrund standen, zeigte sich in vielen Veranstaltungen, und so war u.a. Margot Käßmann auch auf diesem Kirchentag ein Publikumsmagnet. Doch nicht nur Promis wie Christian Wulff, Angela Merkel etc.pp., die diesmal mit Themen wie „Integration“ und „neue Weltordnung“ um Gehör baten, zogen Menschen zu Tausenden an….Eindrucksvoll war auch das Mittagsgebet in der Kreuzkirche, die baulich einen wirklichen Kontrast zur barocken Fülle der Frauenkirche darstellt: für mich ist sie halt „evangelischer“. Die überall im Stadtgebiet verteilten weißen Spitzzelte mit vielen Informations- und Gastronomieständen boten dem hitzegeschädigten Besucher eine willkommene Möglichkeit zum Verweilen: besonders die Zeltstadt der Diakonie hinter der Semperoper muß hier erwähnt werden. Die dort häufig anzutreffenden besonders kranken Menschen in Rollstühlen brachten mich schnell auf den Boden der Tatsachen zurück, indem ihr Anblick meine eigenen Krankheiten relativierte.  Die Zeltstadt in der „Flutrinne“, in der viele Stände auf dem „Markt der Möglichkeiten“ untergebracht waren, mussten wir wegen „Luftmangel“ leider schnell verlassen. Es war unerträglich heiß dort in den Zelten, so daß wir schnell in die fußläufig erreichbare Messe flüchteten. Apropos fußläufig: auch den Weg von der Messe zur Stadt legten wir zu Fuß zurück, denn der Andrang auf die Straßenbahnen war so enorm, dass man in den Bahnen keine Haltegriffe brauchte, um festen Stand zu haben; man stand wie in einer Sardinendose.  Krönender Abschluß war dann für uns ein Abend mit der jüdischen Kantorin und Sängerin Avitall und Herrn Dr. Eckart von Hirschhausen in der Energieverbundarena, einer Eissporthalle. Wie üblich bei Großveranstaltungen mussten wir schon 90 Minuten vorher vor Ort sein – zu Fuß, versteht sich. Aber für ein „christlich – jüdisches Freudenfest“ -  auf dem Hintergrund von 50 Jahren „Arbeitsgemeinschaft Juden – Christen“ - , für Liebe und Dialog Juden und Christen aus Sicht der Künstler, lohnte es sich. Und der Abschlussgottesdienst? Nun, beim Blick aus dem Fenster der geräumigen Ferienwohnung und dem Blick auf das „Thermometer im Internet“ entschieden wir uns, uns das Gedränge auf den Elbwiesen bei der Hitze nicht anzutun. Ich denke, dass der „liebe Gott“ dafür Verständnis haben dürfte. So machten wir uns gegen 11.00 Uhr auf den Rückweg, der dank Sonntagsfahrverbot dann zwar ohne LKW stattfand: doch es wurden acht Stunden Fahrt mit vielen langen Staus, bis wir wieder zu Hause waren. Resumee???? Die besorgte Frage unseres Präses und Ratsvorsitzenden der EKD war: „wie es wohl wird?“ Das war eine verständliche Frage, angesichts der Tatsache von über 40 Jahren Kommunismus und der damit einhergehenden „Entchristlichung“ des Ostens. Doch „alles wurde gut!“ ( Artikel für den Gemeindebrief "Brückenbauen" 09/10/11-2011  von Ralf-Peter Becker)

     
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
               
   

Tradition ist – wenn man es zweimal macht! Nach dieser Definition war der Besuch des 34.sten DEKT in Hamburg traditionell, weil wir - wie schon zum Kirchentag in Dresden - mit der gesamten Familie per PKW nach Hamburg gefahren sind. Und auch diesmal hatte ich eine Ferienwohnung per Internet gebucht – weit im voraus im April 2011. Soweit schien alles im Lot zu sein, war es dann aber doch nicht: vor Ort angekommen, wurden wir vom Vermieter darüber informiert, dass die von mir angemietete Wohnung zweimal vermietet worden war und die Bewohner „unserer“ Wohnung nicht ausziehen wollten. Was will man machen, wenn man in der Kürze der Zeit einem so unredlichen Gebaren gegenübersteht!? Man kann im Internet eine miese Bewertung abgeben: was wir auch tun werden! Ansonsten mussten wir mit der Tatsache vorlieb nehmen, in der uns angebotenen viel zu kleinen Wohnung, die für drei Personen „zugelassen“ war, mit fünf Menschen zu „hausen“; anders kann man das nicht bezeichnen: überall lagen „Klamotten“ verteilt. Es erinnerte mich sehr an unsere Campingzeit: doch da waren die Kinder „rein räumlich“ noch klein! „SOVIEL DU BRAUCHST“ – das war das Motto des Kirchentages. Wir haben erlebt, wie wenig man braucht! Aber diese Erfahrung hätten wir nicht gebraucht! Hamburg präsentierte sich vom 01.05. bis 05.05.2013 von seiner schönsten Seite. Es war ein Bilderbuchwetter; es wurde jeden Tag etwas wärmer, und es gab immer eine leichte Brise vom Wasser her. So war es keineswegs verwunderlich, dass auch die Promis am liebsten draußen weilten: Eröffnungsgottesdienst am Strandkai in der Hafencity mit Herrn Gauck, hier Herr Rekowski ,Frau Nahles und Kirchentagspräsident Gerhard Robbers auf der Frostabühne an den Magellanterassen, da Herr Steinbrück am Michel, flankiert von seiner schwarz gekleideten Safetytruppe, dort Frau Käßmann an den Landungsbrücken beim Biertrinken. Und trotzdem: trotz des einladenden Wetters gab es sie wie auf jedem Kirchentag……diejenigen, die sonnenscheu von morgens bis abends in den Hallen der Messe hockten. Es war auf dem Messegelände so voll, dass es fast unmöglich war, zu den Veranstaltungen mit Prominenten in die Hallen zu kommen. Zwei Stunden Anstehen waren aber nicht unser Ding, und so mussten die prominenten Bürger diesmal auf unsere Anwesenheit verzichten. Hier habe ich einen Tip: vielleicht sollten die Organisatoren in Zukunft attraktive Großveranstaltungen nicht zeitlich aufeinanderfolgend in der gleichen Halle stattfinden lassen. Die Folge wäre, dass die Besucher einer Veranstaltung den Ort wechseln müssten und nicht von morgens bis abends an einem Ort verweilen könnten: So hätten dann mehr Menschen Chancen, wenigstens einmal in eine Halle zu kommen! Wir tummelten uns draußen: Planten und Blomen mit Professor Dr. Harald Schroeter-Wittke zum Thema "Kirche und Humor", Rotes Sofa am CCH mit Gästen aus Politik und Kultur, u.a. Nikolaus Schneider, diversen Bands auf den vielen im Stadtgebiet verteilten Bühnen, Spazierengehen an den Landungsbrücken, Besuch von Sankt Pauli. Ach: fast hätte ich es vergessen.......einige Funkamateure aus Hamburg waren in einem von Manuel Gera, Kirchenmusikdirektor am Michel und auch Amateurfunker, "organisierten" Bus tätig und verbreiteten die Botschaft vom Kirchentag wie immer weltweit. Und in all dem Getümmel trafen wir dann auf der Messe, wie schon 2003 in Berlin, unseren Pfarrer Hermann Schenck! Zeichen? Zufall? Wie dem auch sei! ! 150.000 Besucher kann auch eine Stadt wie Hamburg nicht "mal eben" aufnehmen. An und für sich hatte ich mir geschworen, daß ich nach Hamburg nun nicht mehr an Kirchentagen teilnehmen wollte mit meinen nunmehr 70 Lenzen. Aber nun ist schon ein wenig Zeit vergangen, die Eindrücke verschwimmen.......und man soll ja nie NIE sagen! Also dann: bis Stuttgart 2015! ( Artikel für den Gemeindebrief "Brückenbauen" 09/10/11-2013  von Ralf-Peter Becker)

     
                                                                                 
    Kirchentag in Stuttgart vom 03.06. bis 07.06.2015      
   

Die 400 Kilometer von Neuss nach Stuttgart waren schnell „gemacht“ mit dem Auto. Dieses Mal fuhr unsere älteste Tochter mit. Schon fast ein Jahr vorher hatte ich für meine Frau und mich ein Hotel gebucht. Und das war gut so, denn als sich unsere Tochter mit dem Arbeitgeber auf Urlaub geeinigt hatte, war unser Hotel ausgebucht, so dass wir in zwei verschiedenen Ortteilen unterkamen: Zuffenhausen und Fellbach. Den Eröffnungsgottesdienst erlebten wir auf dem Schlossplatz. Gut, wenn man große Kinder hat: so hatte unsere Tochter für uns einen Tisch in einem Lokal auf der Königsstraße erkämpft. Und gut, dass es moderne Kommunikationsmittel wie Smartphones gibt, die Verabredungen einfach und effektiv gestalten lassen – wenn die Netze nicht überlastet sind. Alte Bekanntschaften konnte wir so am Abend der Begegnung auffrischen; und gemeinsam nahmen wir am Lichtermeer mit Abendsegen auf dem Schlossplatz teil. Es wurde spät! Der Donnerstag war heiß, so heiß, dass wir in der Innenstadt von „Schatten zu Schatten“ schlichen: Schlossplatz, Karlsplatz, Marktplatz….überall hörte wir ein wenig zu. An den Wasserausgabestellen der BWV(Bodensee Wasserversorgung) herrschte starker Andrang. Und der Brunnen auf dem Schlossplatz bot willkommene Abkühlung auch von außen. Nach Erfahrungen auf vorangegangenen Kirchentagen stellten wir uns für den Abend in die lange Schlange vor der Porschearena, um dort die Veranstaltung „Zweiter Church Comedy Club für Klugscheißer“ zu besuchen: Schlange, d.h. kein Wasser, kein Klo, viel Hitze – so um 33 Grad. Um Kollapsen vorzubeugen, ließ man uns eine halbe Stunde vor der geplanten Öffnungszeit in die Halle…….und die blieb wider Erwarten zur Hälfte leer, so dass wir in diesem Fall auch viel später hätten anreisen können: you never know! Der Supervorstellung mit Wilfried Schmickler, Vince Ebert und Christoph Sieber tat das keinen Abbruch. Jeder von ihnen bot eine tolle Performance mit bissigem und teilweise sogar ätzendem Humor, der Fragen wie „Was darf Satire?“, „Verblöden wir durch Google?“, „Sind wir Marionetten der Politik?“ gezielt nachging. Nach dem Abendsegen von Präses Manfred Rekowski wurde es auch an diesem Abend spät. Da auch am Freitag die Temperaturen wieder weit über 30 Grad ansteigen sollten, beschlossen wir, uns Veranstaltungen in Fellbach auszusuchen, um nicht mit vollen Bahnen zu vollen Hallen oder sonnenüberfluteten Plätzen zu fahren. Und so begaben wir uns in die „Alte Kelter“, um auf bewährten Papphockern Thomas de Maizière und Katrin Göring-Eckardt im Disput zum Thema „Kirchenasyl“ zu  hören. Verfassungs – und Kirchenrechtler Prof. Dr. Heinig stellte hier klar, dass es das Recht auf Kirchenasyl im Wege des zivilen Ungehorsams, der ja auch dem Strafrecht unterliegt, nicht gibt, wobei der Staat aber oft Gnade vor Recht ergehen lässt. Nach einer langen und erholsamen Pause mit alkoholfreiem Weizen waren wir am Abend in der Kirche St. Johann in Fellbach zu Gast, wo wir Gospelsongs geboten bekamen. Eine wirklich übervolle Veranstaltung erwartete uns bei der Podiumsdiskussion mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier, UN Generalsekretär Kofi Annan und Bischof  der Diozöse Leeds und Mitglied des House of Lords Nick Baines. Die Hanns Martin Schleyer Halle, die 10.000 Personen Platz bietet, war völlig ausgebucht. Thema der Veranstaltung war: „Die Welt ist aus den Fugen“. Alle drei Teilnehmer schilderten aus ihrem Leben Erfahrungen in Krisen und Konflikten und appellierten an jeden einzelnen, seinen bescheidenen Beitrag zu leisten und als Verantwortung für das Ganze zu sehen, d.h. sich einzumischen und nicht wegzusehen und politisch darauf zu drängen, dass auch hier in den Gremien nicht nur im Reden sondern auch im notwendigen Tun Verantwortung übernommen wird, wobei Steinmeier auch darauf verwies, dass in bestimmten Situationen zum Schutz von Leib und Leben von Verfolgten auch ein Eingreifen mit militärischer Gewalt nicht ausgeschlossen werden dürfe. Mit einem offenen Gospelsingen in der Lutherkirche in Fellbach wollte ich den Kirchentag ausklingen lassen. Also setzte ich mich in die kühle Kirche und wartete auf den Beginn: vergeblich, denn die Veranstaltung wurde ersatzlos gestrichen, was aber so kurzfristig nicht kommuniziert worden war. Alles in allem: für uns war es ein klimatisch und thematisch heißer Kirchentag, den wir dann in einer kleinen Kneipe beim Fußballspiel Juve gegen Barca ausklingen ließen. Summa summarum: zwei längere Veranstaltungen pro Tag machen mit An – und Abfahrt 6 Stunden Zeit aus….für uns „Alte“ anstrengend genug! ( Artikel für den Gemeindebrief "Brückenbauen" 09/10/11-2015  von Ralf-Peter Becker)

 

     
               
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
               
               
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
               
             
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
               
               
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
               
               
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
               
               
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
                                   
               
                                             
    Kirchentag in Berlin vom 24.05. bis 28.05.2017          
   

Berlin – Kirchentag?! Da waren wir anno 2003. Und nun wollten wir (ich!) noch mal hin. Soviel vorweg: mit den Fahrten wurde es uns schwer gemacht: Hinfahrt: 9 Stunden Auto, Rückfahrt 10 Stunden Auto….Stau in Hamburg auf der A10, Stau in Hannover auf der A2, wie….ja, wie kann man denn den KT und ein Pokalfinale des BVB auf ein langes Wochenende legen, und wie kann man um Hannover herum zwei lange Baustellen am Mittwoch vor diesem langen Wochenendes einrichten? Das grenzt an Sadismus!   Wie immer bei Kirchentagen war es auch diesmal so: das, was man sich aus dem Programm ( mit KT App ) herausgesucht hatte, war zu weit weg oder fiel aus. Aber generell: Berlin ist zu groß!!!! Verabredungen über Whatsapp klappten nicht immer wegen der riesigen Distanzen: so brauchten wir von Zehlendorf (wo wir wohnten) bis Lichtenberg (wo unser Sohn wohnte) fast 1 Stunde. Und manche kurzfristig angesetzten Verabredungen zu Veranstaltungen „gingen“ so einfach nicht. Manches ging aber super: Verabredungen und Verkehrsverbindungen für „uns Alte“ wurden durch unsere Kinder über Whatsapp per screenshot „gepostet“ – so heißt das ja wohl heute. Gut – ohne Smartphone „biste nix“. In Zehlendorf – wo übrigens Willy Brandt auf dem Waldfriedhof begraben ist, kamen wir in der Diakonie unter, die seit ca. 7 Jahren von „unserem“ Gemeindemitglied Dorothee Queckbörner geleitet wird: ein altes und ehrwürdiges Haus mit einem riesigen Garten! Da hätte man bei dem Superwetter bleiben können – den ganzen Tag! Sicher - wir waren Gast bei einigen guten Veranstaltungen: so sahen und hörten wir Judy Baily und Sarah Kaiser. Wir bekamen Herrn de Maiziere zu Gesicht, konnten Leuten lauschen, die unglaublich viel Engagement für die Gesellschaft zeigten (da kam ich mir klein vor!). Wir spielten 2 Stunden Tischtennis auf klitzekleinen Platten auf der Strasse vor der Lützenseekirche, weil eine Veranstaltung ausgefallen war und wir die Zeit bis zur nächsten überbrücken mussten. Diese verließen wir dann vorzeitig, weil sich die Musik(es nannte sich „Jazz-Klassik“) absolut nicht mit unserem Geschmack deckte. Das wurde jedoch wettgemacht durch ein herrliches Bläserkonzert in der Marienkirche am Alex mit dem Titel „Nähme ich Flügel der Morgenröte“. Und ganz besonders eindrucksvoll waren zwei Veranstaltungen im Palais am Funkturm auf der Messe, die sich u.a. mit dem Islam beschäftigten: „Der Islam ist anders“….mit Koranrezitationen auf arabisch und deutsch und Vorführungen von „Derwischen“ des Sufi Ordens und „Siebzig Jahre Teilungsplan, 50 Jahre Besatzung“….hier ging es um Lösungen im israelisch-palästinensischen Konflikt. Summa summarum: er war wie immer wieder erlebnisreich, und wenn man nur aus den Medien etwas über Kirchentage weiß, dann weiß man zu wenig: man muß Kirchentage erleben – so anstrengend sie auch sind. Das gehört dazu. 

( Artikel für den Gemeindebrief "Brückenbauen" 09/10/11-2017  von Ralf-Peter Becker)

 

     
                                                                                    Text von Hintergrundlied " Von guten Mächten"