Gewalt - wer kennt sie nicht? Sie begegnet uns täglich, und sie ist nahezu grenzenlos: sie kann sich gegen jeden und gegen alles richten. Und somit tritt sie - wenn diese Differenzierung erlaubt ist - als Gewalt gegen Personen und Gewalt gegen Sachen auf. 

Sachzerstörung?  Ich traf sie während meiner Berufstätigkeit täglich schon morgens, wenn ich mit der S-Bahn nach Düsseldorf fuhr: S-Bahn Station Allerheiligen bei Neuss. Der Name ist Ironie,   denn heilig ist den Sachzerstörern hier wirklich nichts........wie man sieht....            Jeden Morgen gab und gibt es neue Beispiele sinnloser und hirnloser Zerstörung: herausgerissenen Verkehrsschilder, zerschlagene Panzerglasscheiben, demolierte Uhren, unbrauchbar gemachte Automaten, zertretene Fahrräder ....und natürlich ...."Graffitikunst". Das alles scheint so normal geworden zu sein, dass die Presse nur noch selten drüber berichtet, ja, Leserzuschriften werden oft gar nicht abgedruckt: Es sind wohl zu viele. 

        
     

Und Gewalt gegen Personen? Sie ist oft subtiler, doch sie ist vorhanden. Mir begegnete sie in den Klassen und auf dem Schulhof täglich. Und sie stellte sich in den unterschiedlichsten Formen dar, z.B. als Verlachen, Verhöhnen, Beschimpfen, Beleidigen, Mobben, Abziehen, Herumschubsen und Körperverletzung. Bilder hiervon möchte ich wegen der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen nicht veröffentlichen. Doch wozu auch? Presse, Rundfunk und Fernsehen stehen doch regelrecht in einem 24-stündigen "Blutwettbewerb". Und dass Schule nur ein kleines Abbild der Gesellschaft ist, d.h. die Kinder lernen ihr Verhalten von den Erwachsenen, ist jede Form des angesprochenen negativen Umgangs miteinander natürlich auch in der Erwachsenenwelt zu finden. 

Nun, so wird mancher sagen: das wissen wir doch alles! Richtig: die Litanei sollte auch nur das Bewusstsein für die Fragen schärfen....GEHT ES NICHT OHNE GEWALT?....und....WAS KANN MAN GEGEN GEWALT TUN?....Machen wir nicht den Fehler, die erste Frage mit "heroischen" Beispielen aus der Geschichte zu relativieren: die Eroberung von Weltreichen, sei es durch Alexander den Großen oder Napoleon, impliziert sicher große Gewalt, aber die Zielsetzung war - so "träume" ich - nicht allein Destruktion sondern auch Vision im Hinblick auf gesellschaftliche Veränderungen. Und will man "Despoten" diese Ziele nicht zugestehen, so gilt das Gesagte doch ganz sicher für Revolutionen, die vom Volke ausgingen, z.B. die französische Revolution. Und will man gar biblisch argumentieren, so kann man sicher sagen, dass auch der "Rausschmiss" der Geldwechsler aus dem Tempel in Jerusalem durch Jesus kein Beispiel für eigennützige Gewaltanwendung ist: hier wird Gewalt angewendet, um auf die unwürdige Zweckentfremdung und Entweihung eines Gotteshauses aufmerksam zu machen.

        
    

Es gibt also sicher Situationen, in denen Gewalt erlaubt sein muss, um höhere Ziele zu erreichen. Und dies gilt ja auch - und hier ganz sicher - für das staatliche Gewaltmonopol. Die Frage, was nun als "höheres Ziel" zu definieren ist, ist in den Verfassungen der demokratischen Staaten u.a. mit der Festlegung der Grundrechte der Menschen inhaltlich gefüllt. Summa summarum: auch wenn die Ergebnisse staatlicher Gewalt möglicherweise Schäden an Personen und Sachen mit sich bringen....staatliche Gewalt dient immer dem Allgemeinwohl, und sie ist damit grundsätzlich zu unterscheiden von Gewalt aus persönlichen Gründen. Und so sicher Gewalt aus persönlichen Gründen abzulehnen ist - es muss auch ohne sie gehen - so sicher ist staatliche Gewaltanwendung zum Gemeinwohl zu bejahen.

Kommen wir zur Frage zwei! Was kann man gegen diese Gewalt aus rein persönlichen Motiven tun? Die Ansätze sind vielfältig. Ich denke, dass als erstes das Bewusstsein für Gewalt geschärft werden muss: so sehen z.B. viele Jugendliche das Graffitisprayen durchaus nicht als Gewalt gegen Sachen an, und auch das "Abziehen" von Altersgenossen wird eher als "Spaß" gesehen. Und hier hört nun der Spaß wirklich auf. Straftatbestände sind und bleiben solche! Dies wieder in das Bewusstsein der Menschen zu bekommen ist eine schwere Aufgabe, die nur dann gelingen kann, wenn eine neue "alte" Ethik von uns Besitz ergreift: Es muss auf ein WIR-GEFÜHL hingewirkt werden, bei dem als oberste Richtschur für alles Handeln Kants kategorischer Imperativ steht: HANDLE STETS SO, DASS DIE MAXIME DEINES WILLENS JEDERZEIT ZUGLEICH ALS PRINZIP EINER ALLGEMEINEN GESETZGEBUNG GELTEN KÖNNE.....oder banaler....WAS DU NICHT WILLST, DAS MAN DIR TU, DAS FÜG AUCH KEINEM ANDERN ZU.

       
     

Diesen kategorischen Imperativ gilt es mit Leben zu füllen. Es soll also nicht nur theoretisiert, sondern praktisch gehandelt werden: FÜR DIE ALLGEMEINHEIT, getragen von der Hoffnung, dass dem guten Beispiel andere Menschen folgen werden. Hier wird der grenzenlose Egoismus überwunden: und ER, DER EGOISMUS, ist Auslöser und Triebfeder für Langeweile und Frust, aus denen oft Zerstörung und Gewalt resultieren. Sicher, diese Bewusstseinsänderung ist schwierig, zumal in unserer Gesellschaft die Prägung des Bewusstseins oft gewinn - und spassmaximiert ist. Aber gibt es eine Alternative zu dieser lebenslangen Aufgabe?

Ich habe viele Jahre versucht, durch den Besuch von Synagogen, Kirchen und Moscheen zu Toleranz und Achtung zu erziehen. Dies ist ein Teil meines Weges. Für den ein oder anderen mögen sich andere Wege ergeben. Sie müssen sicher nicht religiös sein. Eines aber müssen sie beinhalten: die Achtung eines jeden Geschöpfes als gleichwertig gegenüber anderen Geschöpfen...auch wenn es manchmal schwerfällt.

                         Bericht über Synagogenbesuch 2003
http://www.basta-net.de/webcom/show_article.php/_c-5/i.html
http://www.zum.de/Faecher/Materialien/dbk/index.htm
http://www.anti-gewalt-training.de/index2.php
              http://www.bessereweltlinks.de/index.htm    
http://www.stark-ohne-gewalt.de/#
http://
http://www.polizei.propk.de/
http://www.stopbullying.com
  Gewalt in der Hauptschule
Brief an diverse Zeitungen, Landesschulministerium und Bundespressestelle